Mütterzentrum Fulda - ein Beispiel für Frauen- und Familienpolitik in Fulda, Doris Rapp Mai 2010

STATION 1: 1987 Gründung und Magdeburger Strasse

Der Verein Bildungs- und Begegnungsstätte Mütterzentrum e.V. wurde im Oktober 1987 gegründet.
Bereits im Januar 1988 bezog der Verein die rund 100 qm großen Räumlichkeiten in der Magdeburger Strasse mit Cafè, Spielzimmer, Küche und Büro.

Ziel der Vereins war es, die Isolation von Müttern, die mit der Mutterschaft einhergeht - meist Ausstieg aus dem Berufsleben und damit aus dem öffentlichen Leben- aufzuheben.
Dies sollte mit der Errichtung einer Kommunikationsstätte in Form eines Frauencafès, politischen und kulturellen Veranstaltungen und frauenspezifischen Bildungsangeboten umgesetzt werden. Weitere Ziele waren:
  • soziale Anerkennung der Mutterschaft
  • Aufbau von unterstützenden Netzwerken
  • Stärkung des Selbstwertes und Selbstbewusstseins durch Austausch, Fortbildungsangebote, Mitbestimmungsmöglichkeiten
  • Angebot von offener Kinderbetreuung auch für Kinder unter 3 Jahre
Die starke frauen- und feministische Orientierung zeigte sich im damaligen Logo mit provokanter Rabenmutter und Frauenzeichen.
Gerade in der Anfangszeit waren die MÜTZE-Frauen auch nach Aussen sehr aktiv und nahmen z. B. in Leserbriefen, auch durch eine Demonstration zum Mahngeläut Stellung. Laut Aussagen teilnehmender Frauen wurden sie bei der Demo mit Tomaten und Eier beworfen. Mitorganisiert wurden eine Schweigedemonstration zum Thema Kindergartenplätze und auch zum Golfkrieg wurde öffentlich Stellung genommen.
Die MÜTZE-Frauen hatten im katholischen konservativen Fulda schnell den negativen Ruf der aufmüpfigen Emanzen. Selbst heute machen wir immer wieder die Erfahrung mit diesem Vorurteil, in dem Menschen feststellen, dass wir so ganz anders sind, als man sich uns vorgestellt hat.
Ebenso ein großes Vorurteil, dass es in der MÜTZE nur Alleinerziehende gibt. Sicherlich gab und gibt es Alleinerziehende, die ihr Netzwerk mit Hilfe der MÜTZE aufbauen. Aber der überwiegende Teil der Nutzerinnen lebt in herkömmlichen Familienverhältnissen. Ziel war und ist immer, wenn möglich, den Erhalt von Ehe und Partnerschaften zu fördern.

Die MÜTZE wuchs weiter, so dass die Räumlichkeiten in der Magdeburger Strasse zu klein wurden.

STATION 2: 1996 Neuenberger Strasse

Im Herbst 1996 folgte dann der Umzug in die Neuenberger Strasse mit 140 qm und rund 80 Mitglieder.
Nach Aussen wurde es ruhiger und der Verein konzentrierte sich eher auf die Vereinsarbeit und die Weiterentwicklung und Umsetzung ihrer Zielsetzung:
  • Auflösung von Isolation
  • Stärkung des Selbstwertes von Frauen und Erziehenden
  • (berufliche) Fortbildung von Frauen (PC-Kurse)
  • Unterstützung von Familien (1999 Einführung des Mini-Kindergartens, ausserhalb der Kinderkrippe 1. Einrichtung in Fulda)
Auch wurde in die Arbeit der MÜTZE immer mehr die ganze Familie und somit auch die Väter einbezogen. So wurde 2000 die heute immer noch bestehende Vätergruppe gegründet.
Inzwischen gibt es seit kurzem eine zweite Vätergruppe.

Im März 2003 zog Die MÜTZE wieder um. Gründe war die wachsende Mitgliederzahl, aber auch extreme Schwierigkeiten mit den Nachbarn. Diese Schwierigkeiten gingen mit Beschwerden wegen Ruhestörung, zugeklebten Türschlössern und Farbbeuteln an der Hauswand einher.

STATION 3: seit 2003 Gallasiniring

Seit März 2003 sind wir hier im Gallasiniring mit rund 500 qm und 190 Mitgliederfamilien.

2004 wurde das ursprüngliche Logo leicht verändert. Das Frauenzeichen wurde entfernt. Die Rabenmutter blieb aber weiter erhalten.

Im September 2005 wurde unsere Kinderkrippe, Die Marienkäfer, gegründet, um Frauen zu unterstützen, Beruf und Familie besser in Einklang zu bringen. Diese Gruppe entstand aufgrund des Bedarfes von MÜTZE-Nutzerinnen.
Ausserdem wurde das Bildungsangebot erweitert und dies nicht nur beruflich sondern auch im Bereich Persönlichkeitsentwicklung und Familienbildung.
Ebenfalls unterstützen wir insbesondere Frauen, sich in das Kursangebot einzubringen und selbst Angebote zu machen. Dies ermöglicht vielfältige Erfahrungen und hat bereits in mehreren Fällen zur Selbstständigkeit oder beruflichen Umorientierung und Wiedereinstieg geführt.

2007 entwickelten wir ein neues Logo und einen Slogan, um auch nach Aussen der gesellschaftlichen Entwicklung gerecht zu werden. In der täglichen Arbeit haben wir die Erfahrung gemacht, dass gerade jüngere Frauen sich nicht mehr mit dem Frauenzeichen und der Rabenmutter identifizieren können.
Der Slogan „Die MÜTZE lebt Familie“ zeigt, was wir möchten: Familie ist kein Ausflaufmodell, sondern die Zukunft. Dort wo unterschiedliche Generationen zusammenleben, wird Familie gelebt. Unabhängig davon, wie die unterschiedlichen Familienkonstellationen aussehen.
Dabei ist es uns wichtig, herauszustellen, dass wenn es den Müttern, die in der Regel die meiste Familienarbeit leisten, gut geht, es auch den Kindern gut geht.
Wir sind also nicht, wie viele meinen, vordergründig für die Kinder da. Sondern wir sind davon überzeugt, dass man dafür sorgen muss, dass es den Kindern gut geht, damit die Mütter sich erlauben, für sich selbst gut zu sorgen.
Geht es Mutter, Vater, der Paarbeziehung gut, geht es auch den Kindern gut.

Bundesweit werden wir politisch durch den Bundesverband der Mütterzentren vertreten. Hier sind rund 400 Mütterzentren, davon sind 29 Mehrgenerationenhäuser, bundesweit organisiert.
Hessenweit waren wir durch das Mütterbüro Langen vertreten. Dieses wurde jedoch leider 2004 aufgrund der Kommunalisierung geschlossen.

DIE MÜTZE ist aktiv in verschiedenen Gremien und Arbeitsgruppen Fuldas

In Fulda sind wir frauen- und familienpolitisch aber auch im Bereich Integration in verschiedenen Gremien und Arbeitsgruppen vertreten.

z. B.:
  • AG Mädchenarbeit Fulda
  • Frauenpolitik- und Kulturtage
  • Begleitausschuss Stärken vor Ort
  • AK Ostend und Ziehers Süd
  • EVA Erziehung von Anfang an ...
Hier darf man nicht vergessen, dass wir diese Arbeit fast ausschliesslich auf ehrenamtlicher Basis leisten.

Momentan ist ein Wandel in der Ehrenamtlichkeit festzustellen. Nachdem tendenziell die Frauen mit der Geburt eines Kindes nur kurzfristig aus dem Berufsleben aussteigen (können/ wollen), bleibt immer weniger Zeit sich aktiv ehrenamtlich zu engagieren. Ausserdem stellen wir eine immer stärker werdende Konsummentalität fest.

Finanziell geraten wir immer mehr an unserer Grenzen. Wir bekommen zwar Zuschüsse von Land, Kreis und der Stadt Fulda. Aber es ist kaum möglich den Restposten aus Eigenmitteln wie Mitgliederbeiträge, Teilnehmerbeiträge und Spenden zu bestreiten. Denn während die Zuschüsse über Jahre hinweg gleichgeblieben sind, sind unsere Kosten gestiegen. (Miete, Energie, Lebensmittel, mehr Nutzerinnen usw.) Dieses Jahr mussten wir den Mitgliedsbeitrag erhöhen.

Dass wir dennoch auf dem richtigen Weg sind, zeigen auch die Auszeichnungen und Preise, die wir in den letzten Jahren gewonnen haben. Hierzu zählen eine Ehrenurkunde „Ein Schild für die Familie“ und 2 zweite Plätze beim Praktissimawettbewerb des Bundesverbandes der Mütterzentren (Mütterzentren als soziale Unternehmen, Öffentlichkeitsarbeit). Unsere ehemalige Bundesfamilienministerin (jetzt Bundesarbeitsministerin) Frau von der Leyen ist eine Ehrenpraktissima.

DIE MÜTZE bietet Familienbildung auf Augenhöhe

In den offenen Gruppen findet man Unterstützung in der Aufgabe die Kinder mit Liebe, Werten und Verständnis großzuziehen. Hier findet Familienbildung auf niedrigschwelliger Basis auf Augenhöhe statt.

Wir bieten Raum und Platz sich über alltägliche aber auch berufliche oder politische Dinge auszutauschen.

Oder mit den Worten von Hildegard Schooß (Gründerin des Mütterzentrums bzw. Mehrgenerationenhaus Salzgitter)

„Mütterzentrums-Frauen wollen einen selbstbestimmten Raum schaffen, wo sie sich einen Alltag organisieren, in dem sie ihren eigenen Rhythmus entwickeln und Arbeit mit Leben so verbinden können, dass sie weder unter der Isolation in der Kleinfamilie leiden noch sich mit der Vielfachbelastung von Berufs- und Familienarbeit überfordern müssen. Darüber hinaus wollen sie das Lebens und Lernfeld Familie und Haushalt, Gemeinwesen und Alltagspolitik sichtbar werden lassen und eine öffentliche Anerkennung dafür erreichen“
(S. 232, Hildegard Schooß (1996), Mütterzentren als Antwort auf Überprofessionalisierung im sozialen Bereich. In: E. Teufel (Hg.): Was hält die moderne Gesellschaft zusammen? Frankfurt: Suhrkamp, S. 232 - 246

Die MÜTZE in Zahlen 2009

Zahlen aus unserer ganz aktuellen Arbeit:

2009 gab es

190 Mitgliedsfamilien
45 ehrenamtliche Aktive und Honorarkräfte
3 Teilzeitbeschäftigte
6 geringfügig Beschäftigte

482 Offene Treffs
3119 Erwachsene 5300 Kinder
1284 Kinder wurden in offener Kinderbetreuung betreut

60% Mitglieder 34% Nichtmitglieder, Prozentsatz der Mitglieder hat sich erhöht

43% BesucherInnen Stadt Fulda
51% Landkreis Trend mehr Landkreis seit einiger Zeit

Positiv zu werten ist, das immer mehr Familien aus unserem Stadtteil kommen.

fehlende Anerkennung durch Unterschätzung DER MÜTZE

Wir kämpfen schon von Anfang an damit, dass unsere Arbeit nicht so gesehen wird, wie sie wirklich ist. Für Aussenstehende ist unsere Arbeit oft auch tatsächlich schwierig nachzuvollziehen. Dies macht sich auch in der Spendenbereitschaft bemerkbar. Wir werden oft nicht als bedürftig oder als unterstützenswert angesehen.

Auf den ersten Blick ist das gemeinsame Treffen mit den Kindern in den Offenen Treffs und Gruppen, das gemeinsame Kaffee trinken, der alltägliche Austausch der Mütter und Familien etwas Selbstverständliches und Alltägliches. Auf den zweiten Blick sind wir in einer immer mehr individualisierenden Gesellschaft um so wichtiger. In einer Zeit, in der verwandtschaftliche unterstützende Netzwerke immer mehr verkümmern, ist es um so wichtiger, niedrigschwellige familienunterstützende Netzwerke aufzubauen, um somit stabile Familienverhältnisse zu erhalten. Dies ist ein positiver Ressourcenansatz und erzeugt sozialen Mehrwert.

Das Konzept der Mütterzentren mit ihren offenen Gruppen ist ein familienpolitisch zukunftsträchtiges Modell. Dies zeigt sich darin, dass die Mehrgenerationenhäuser das niedrigschwellige Konzept der offen Gruppen und die Offenheit gegenüber aller Nationen, Alter, Religionen übernommen haben. Die Mehrgenerationenhäuser sind auch auf der Expo in Shanghai vertreten.

Mehr als ein Angebot - die Methode „Offener Treff“

Die offenen Gruppen sind das Herzstück der MÜTZE. Sie bieten Raum für Begegnung und sind die zentrale Anlaufstelle. Die Gruppen sind niedrigschwellig und nicht verpflichtend.
Hier werden Netzwerke geknüpft. Es wird sich ausgetauscht. Hier findet Prävention und Familienbildung statt.

Die Familienbildung im Offenen Treff unterscheidet sich vom Kurs- und Vortragssystem massgeblich:
  • Funktion eines Marktplatzes - unbürokratisch und regulierend
  • Prinzip der Laienberatung
  • nachhaltiges, erfahrungsorientiertes Lernen
  • Normalisierung der Erwartungen und Ansprüche
  • Bildung ist durch informelles Lernen eingebunden in das praktische Tun und dadurch besonders nachhaltig
  • Kultur des Aufwachsens
  • Empowerment - Eltern haben immer Kompetenzen und Stärken. Diese sollen bewusst und gefördert werden
In Zeiten, in denen einerseits immer mehr auf Prävention gesetzt wird, andererseits Hilfe und Unterstützung fast ausschliesslich erst dann kommt, wenn die Probleme massiv und Familien mit ihren Problemen auffällig werden, ist unser präventiver Ansatz von großem Wert.

Die Auswertung der von uns durchgeführten Umfrage zum Thema „Erwartungen und Ansprüche an Mütter“ zeigt, dass niedrigschwellige Familienangebote notwendiger denn je sind. Und zwar niedrigschwellig für alle Familie und nicht nur für die mit bereits vorhandenen großen Problemen.
Im Vergleich zu vor 17 Jahren sind zwar scheinbar kaum Veränderungen. Schaut man genauer hin, hat sich einiges massgeblich verändert:
Anstelle von verwandtschaftlicher Unterstützung steht immer mehr die so genannte Fremdbetreuung.
Die Erwartungen und Ansprüche an Mütter sind erheblich gestiegen. Dies bereitet gerade „normalen“, bildungsnahen Familien mit und ohne Migrationshintergrund Schwierigkeiten.
Dies beginnt bereits mit pränatalen Diagnostik. Man wird von Anfang an mit Ratgebern und Erwartungen (z. B. stillen, co-sleeping) überschüttet, wie man als Mutter/ Eltern zu sein hat.
Das Kursangebot zur Frühforderung/-erziehung in den verschiedensten Bereichen ist unübersichtlich groß. Gesellschaftlich ist weder die berufstätige Mutter noch die zu hause bleibende Mutter anerkannt. Ebenso wenig funktionieren Modelle, Väter mehr in die Elternzeit einzubeziehen. Von mangelnden und unflexiblen Kinderbetreuungsmöglichkeiten (auch für Schulkinder) ganz zu schweigen. Es fehlt an erfahrenen Vorbildern und gesellschaftliche Voraussetzungen.

Prävention und Familienbildung findet fast ausschliesslich im vorgeburtlichen Bereich und Kleinkinderbereich statt. Die Erfahrung, die wir jedoch machen, ist, dass Familienkrisen noch einmal ganz stark aufkommen, wenn die Kinder 5/6 Jahre alt sind. Dem wird von offizieller Seite keine Rechnung getragen.

Ehrenamtskoordination und sozialpädagogische Begleitung im Offenen Treff

Wir sehen einen immer größer werdenden Bedarf an Unterstützung und präventiver Arbeit, den unsere ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen und die Nutzerinnen nicht leisten können.
So haben wir ganz aktuell das Projekt „Ehrenamtskoordination und sozialpädagogische Begleitung im Offenen Treff“ aus der Wiege gehoben.

Ziele sind u. a.:
  • Gruppenschulung für ehrenamtliche LeiterInnen der Offenen Gruppen
  • Fachliche Unterstützung der GruppenleiterIn; Praxisanleitung; Stärkung der Position der Gruppenleiterin;
  • Entlastung der ehrenamtlichen KursleiterInnen; Stärkung der Selbstreflektion; Weiterentwicklung von Soft Skills
  • Bei Bedarf ist eine sozialpädagogische Beratung der NutzerInnen im Gruppensetting aber auch im Einzelsetting möglich.
Die Finanzierung dieses Projektes hatten wir 2010 durch eine Spende gesichert. Wir hofften jedoch, dass wir mit Unterstützung von weiteren Spenden und von staatlicher Seite dieses Projekt zu einem festen Bestandteil der MÜTZE machen könnten.

STATION 4: ab 2011 auch ein Familienzentrum

Um den Wegfall der sozialpädagogischen Begleitung im Offenen Treff etwas abzufangen, entwickelte Sozialpädagogin Doris Rapp im Rahmen von Stärken vor Ort das Projekt „Stärkung alleinerziehender Mütter (SaMü)“, welches sie von März bis Dezember 2011 in Kooperation und in der Räumen der MÜTZE erfolgreich durchführte.

Ebenfalls 2011 beantragte das Mütterzentrum im Rahmen des Förderprogrammes „Etablierung von Familienzentren in Hessen“ beim Land Hessen die Förderung als Familienzentrum.


Das Mütterzentrum wird auch noch Familienzentrum

2011 beantragte das Mütterzentrum im Rahmen des Förderprogrammes „Etablierung von Familienzentren in Hessen“ beim Land Hessen die Förderung als Familienzentrum.
Die MÜTZE bekam den Zuschlag und bekommt ab November 2011 als Familienzentrum eine zusätzliche Förderung. Hier liegt der Schwerpunkt in der Sozialpädagogischen Begleitung der Offenen Treffs und der Sozialpädagogischen Beratung. Ausserdem in der Erweiterung des
Angebotes für Kindergarten- und Grundschulkinder. So gibt es inzwischen einen Jungs- und einen Mädchentreff und einmal monatlich kommt ein Leseopa zum Vorlesen.
Als Zusatzangebot für Familien wurde ein Tauschring gegründet, der sich als Nachbarschaftshilfe versteht.


Sozialpädagogische Begleitung im Offenen Treff

Die Sozialpädagogische Begleitung wird durch eine Sozialpädagogin geleistet. Sie war in diesem Rahmen 2012 an 77 Treffs präsent. Dies diente der Kontaktaufnahmen, Beziehungspflege, informellen Familienbildung. Hier wurden 77 Familien direkt erreicht.
Zusätzlich fanden 73 Einzelberatungen zu verschiedenen Themen: z.B. Erziehung, Entwicklung, psychosoziale Beratung, Paarberatung, Kindergarten, Schule, Trauerbegleitung, Berufsrückkehr, Haushaltsmanagement usw., statt.
Auffällig ist hier, dass Alleinerziehende mit 38 Beratungen, das Angebot überdurchschnittlich nutzen. Ebenso nutzen Alleinerziehende die Sozialpädagogin im Alltag („zwischen Tür und Angel“) überdurchschnittlich viel als Ansprechpartnerin.

Leider läuft die Förderung 2013 aus und eine Finanzierung des sozialpädagogischen Angebotes ist aus eigener Kraft nicht möglich, so dass dieses Angebot 2014 wohl nicht mehr so stattfinden kann.

DIE MÜTZE ist aktiv in verschiedenen Gremien und Arbeitsgruppen

In Stadt und Landkreis Fulda, aber auch darüber hinaus, sind wir weiterhin frauen- und familienpolitisch aber auch im Bereich Integration in verschiedenen Gremien und Arbeitsgruppen vertreten.

z. B.:
  • Frauenwoche
  • DPWV - Kreisgruppe
  • AK Ostend und Ziehers Süd
  • Vorbereitungstreffen Weltkindertag
  • Juleica (Jugendleiterkarte) Programmplanung
  • Runder Tisch „Soziales Ehrenamt für Stadt und Landkreis Fulda“
  • EVA Erziehung von Anfang an
  • Vernetzungstreffen Netzwerk Familie
  • Vernetzungstreffen hessische Mütterzentren
  • Vernetzungstreffen hessische Familienzentren
Seit Mitte 2011 ist Die MÜTZE Kooperationspartner des Netzwerkes Netzwerk Alleinerziehende in Stadt und Landkreis Fulda und arbeitet in diese Rahmen sowohl im Rahmen der Steuerungsgruppe als auch im der Arbeitsgruppe „Kinderbetreuung“ aktiv mit.

Die MÜTZE ist also in Stadt und Landkreis gut vernetzt. Besonders hervorzuheben ist das Netzwerk Familie, das 2008 auf Initiative des Mütterzentrums gegründet wurde und feiert dieses Jahr sein fünfjähriges Bestehen. Das Netzwerk versteht sich als Zusammenschluss aller sozialer Institutionen aus Stadt und Landkreis Fulda. Das Netzwerk möchte eine praxisorientierte Lobby für Familien sein.

Diese Arbeit wird überwiegend ehrenamtlich geleistet und zeigt, auf welchem hohen Stand das bürgerschaftliche Engagement der Mitglieder des Mütterzentrums ist.

Ausserdem hat Die MÜTZE verschiedene Kooperationen mit und pflegt enge freundschaftliche Kontakte zu diversen anderen Einrichtungen und Vereine in Stadt und Landkreis Fulda.

Die MÜTZE in Zahlen 2012

Zahlen aus unserer ganz aktuellen Arbeit:

2012 gab es

190 Mitgliedsfamilien, seit 2009 unverändert 37 ehrenamtliche Aktive und Honorarkräfte
4 Teilzeitbeschäftigte, aufgeteilt: 1 MÜTZE, 2 Marienkäfer, 1 Familienzentrum
7 geringfügig Beschäftigte aufgeteilt: 3,5 MÜTZE und 3,5 Marienkäfer

436 Offene Treffs
3492 Erwachsene 4045 Kinder
1847 Kinder wurden in offener Kinderbetreuung betreut
73% Mitglieder 27% Nichtmitglieder 48% BesucherInnen Stadt Fulda
52% Landkreis
Es kommen aber auch BesucherInnen aus angrenzenden Landkreisen.

Insgesamt hat das Mütterzentrum 2012 mehr als verschiedene 510 Familien erreicht.

Und sonst noch?

In den letzten Jahren hat der Slogan „Die MÜTZE lebt Familie“ immer mehr den Alltag vieler Nutzerfamilien geprägt. So gibt es Familienfreizeiten, Ausflüge, gemeinsames Frühstücken. So wird zumindest teilweise die Vereinzelung und fehlende Familienbezüge aufgefangen. Die Räumlichkeiten des Mütterzentrums werden auch von Pflegefamilien und getrennt lebenden Eltern für den Umgang mit dem Kind genutzt.

Nachdem das Mütterzentrum 2013 auch auf 10 Jahre Gallasiniring zurückblicken kann, werden die notwendigen Renovierungsarbeiten in den letzten Jahren auch immer notwendiger.

2012 konnte die über 20 Jahre alte Küche durch eine großzügige Spende der Firma Zufall durch eine Edelstahlküche ersetzt werden. Bei den Arbeiten unterstützen auch die Firma Distler Gastro GmbH, die Firma Elektro Ebert GmbH und die Firma Schultheiss. Somit konnte mit einem Team von Ehrenamtlichen und durch eine Spende von „Ich brauche deine Hilfe“ und weiteren Spenden konnte die komplette Küche renoviert werden. Sie entspricht nun endlich den notwendigen hygienischen als auch bedarfsgerechten Anforderungen.

2013 wird das große Spielzimmer einen neuen Bodenbelag erhalten.

Für weitere Renovierungsarbeiten fehlt momentan neben der Finanzierung vor allem Ehrenamtliche für die personelle Umsetzung.

Finanzieller Hintergrund?

Das Mütterzentrum bekommt Zuschüsse vom Land Hessen, dem Kreis Fulda und der Stadt Fulda. Das Projekt Familienzentrum bekommt noch für 2013 einen Zuschuss vom Land Hessen. Das weiterbestehen des Projektes ist für 2014 ungewiss.

Ausserdem finanziert sich das Mütterzentrum über Mitgliederbeiträge, Teilnehmerbeträge und Spenden, die weiter dringend benötigt werden.

STATION 5: Ausblick - die nächsten 25 Jahre?

Das Mütterzentrum entwickelt seine Projekte weiter. Nachdem es Projektträger der U3- Kinderkrippe Marienkäfer und des Familienzentrums ist, übernimmt es in nächster Zukunft die Schulkinderbetreuung der Cuno-Raabe-Schule und bietet ausserdem im Auftrag des „Netzwerk Alleinerziehende in Stadt und Landkreis Fulda“ eine Samstagsbetreuung für Kinder im Alter von 3 bis 10 Jahre an. Hier geht es darum Eltern durch Kinderbetreuung zu entlasten, aber auch familiennahe Teilzeitarbeitsplätze zu schaffen.

Wichtige Faktoren für die Weiterentwicklung der Arbeit der MÜTZE werden sein:
  • die allgemeine demographische Entwicklung (mehr Senioren; weniger Kinder)
  • steigende Anforderungen an Elternschaft durch täglichen Organisations-, Leistungs- und Zeitdruck
  • Wandel von Rollenbildern (z. B. Vater - vom Ernährer zum Erzieher)
  • Veränderte Einstellung zur Vereinbarkeit von Familie und Beruf/ Berufstätigkeit
  • Veränderungen in der Kinderbetreuung (z. B. U3)
  • Veränderung des Familienbegriffes
  • Der Rückzug des Staates und die verstärkte Forderung privaten bürgerschaftlichen Engagements
  • Forderung nach steigender Qualifizierung und Professionalisierung
  • fehlende/ mangelnde finanzielle Unterstützung, bei steigenden Kosten
  • Zunahme von Bürokratie

Wohin wir gehen, ist noch ungewiss! Aber wir werden mit Herz, Mut und Elan unseren Weg weitergehen und hoffen auf weitere finanzielle, materielle und ideelle Unterstützung.

Die Unterstützung der MÜTZE ist eine ganzheitliche vor allem nachhaltige Familienpolitik, die die individuellen Bedürfnisse der Familien berücksichtigt.

Dies ist Prävention an der Basis, damit aus Familienproblemen keine Problemfamilien werden.